Das Social Media Dings

Alle reden davon. Vielmehr tippen darüber. Auf Twitter zum Beispiel. Da wird im Minutentakt gezwitschert, was das Zeug hält. Schließlich muss man ja up to date sein und einen Account mit einem möglichst witzigen Avatar besitzen. Wenn er noch blinkt, umso besser. Die usability ist easy. Nun muss ich mich nur noch an die tollen Experten halten, die am Tag 987 tweets über die Tasten jagen, wann, wo und warum sie etwas essen. Oder zum 53. mal ihren exorbitant beladenen Schreibtisch aufräumen, weil sie ja so unheimlich viel zu tun haben. Im übervollen Zug unterwegs sind, nach Nirgendwo. Feststellen, dass der Nachbar auch twittert. Welchen Song sie gerade hören. Einen Tee kochen. Die Nachbarin beobachten. Superdupergutgelauntsind. Nicht vergessen, immer schön selbst loben – Understatement ist was für Anfänger. Denn ein pot. Kunde könnte ja mitlesen und der soll schließlich gleich wissen, mit welchem tollen Hecht er es hier zu tun hat. Achja, ein Netzwerk brauche ich noch. Wie unangenehm. Nicht, dass sich da ein Wolf im Schafspelz versteckt, der mir die guten Häppchen wegschnappt! Also immer schön oberflächlich die Netzgemeinschaft betonen, sich aber keinesfalls und niemals ernsthaft daran beteiligen. Sehr eindrucksvoll sind auch Aphorismen, am Besten ohne Nennung des Urhebers. Die Follower werden sich überschlagen vor Begeisterung!

Einen Facebook-Account brauche ich selbstverständlich auch. Sofort gründe ich eine eigene Gruppe und lade mein gesamtes Netzwerk ein, dieser Gruppe beizutreten. Den FB-Account verlinke ich mit meinem Twitter-Account, und schon geht die Luzi ab. Spam? Also bitte! Doch nicht von mir. Schließlich habe ich einzigartige geistige Ergüsse, die ich meinen “Freunden” nicht vorenthalten darf.

Achja, XING gibt es u.a. auch noch. Ein Moderatoren-Status sollte schon drin sein, das macht sich immer gut. Und möglichst vielen Gruppen beitreten, die dem Profilbesucher wie Militärorden entgegenspringen. Das zeigt enormes Interesse. Gruppenbeiträge verfasse ich so, dass ich als brillanter Entertainer gelesen werde. Alle Themen etwas ankratzen, den Vorpostern ihre eigene Unfähigkeit aufzeigen und mich imposant mit den Worten “just my 2 cents” oder “ich bin raus” verabschieden. Das Profil fülle ich bis zum Anschlag und vergesse dabei nicht, auch mein erworbenes Seepferdchen anzugeben. Das zeigt, wie humorvoll ich sein kann. Natürlich darf “Tacheles” nicht als Fremdsprache fehlen, denn darauf kam noch niemand …

*Augenzwinker*

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7 Kommentare »

 
  • Olli Schuh sagt:

    Köstlich!
    Du hast noch die ExpertInnen vergessen, die mit der Göre unterm Arm ganze Konzernstrategien am IPad entwerfen, gleichzeitig Tagungshotels in fremden Städten buchen, nebenbei Coachen, die Welt erklären, um den Dummerchens die Bauchläden auszureden. Spezialisierung auf höchstem Niveau und auf allen Hochzeiten.

    Ich fühl mich erstklassig wiedergegeben.
    Es gibt jetzt Schmorgurken mit Hack.

    ;-D

    Tschüssing vom Elbstrand
    Olli

  • Ganz wichtig noch: der #Klotweet!

    Herzliche Grüße
    FrauZwitscher

  • Heike sagt:

    Hallo Ihr 2,

    stimmt, man könnte noch lustig weiter ergänzen. Ich wurde bereits zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass es auch unverzichtbar ist, im jeweils anderen Netzwerk darauf hin zu weisen, was man im anderen geschrieben hat …

    Herzliche Grüße zurück!

  • Wieso kann man den Artikel denn nicht mit twitter verlinken? Also, das ist ja so retro hier :)

  • Heike sagt:

    Da haben Sie Recht, liebe Frau Bloch. Ich werde mich umgehend bei meinem webmaster beschweren :-)

  • SysOp sagt:

    Hiermit erledigt, meine Damen…nun können Sie facebooken, twittern, googlen, was das Zeug hält… :-)

  • Heike sagt:

    Unbezahlbar, dieser aufmerksame Netzmeister! Herzlichen Dank :-)

 

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